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Herausgeber und Redaktion: Karl Brenner, Rechtsanwalt, Dozent für Ordnungswidrigkeiten und anderes Recht in der Zuständigkeit der Städte, Gemeinden und Landkreise

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Hintergrundwissen:

Schwarzarbeit: Meisterprüfung: Eine Verkrustung aus dem Mittelalter

 

Die Handwerker demonstrieren gegen den Reformstau, wehren sich aber gegen die Liberalisierung ihrer Standesregeln / Fachleutefordern Abschaffung der Handwerksordnung / Von Rolf Ackermann

 

Wenn die Handwerker an diesem Montag in Berlin auf die Straße gehen, demonstrieren sie ge­gen den Reformstau im Land und die im­mer schwierigeren Rahmenbedingungen für die mittelständisch geprägte Branche. Die Bundesregierung gehe „die nötigen Re­formen nicht tatkräftig genug an", verkün­det der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Zugleich sind die Handwerker aber aufgeschreckt, weil Wirt­schaftsminister Wolfgang Clement (SPD) Anfang des Jahres angekündigt hat, die Handwerksordnung „zu überprüfen". Denn wenn es um die Liberalisierung der ri­giden Regeln für das Handwerk geht, tritt der ZDH selbst als Reformbremser auf. Auf Clement reagierte der Verband zuver­lässig und schnell - mit den alten Argumen­ten:

·         Eine weitere Lockerung der Hand­werksordnung darf es nicht geben"

sagte ZDH-Präsident Dieter Philipp. „Dies würde zu Qualitätseinbußen und einem erhebli­chen Nachlassen der Ausbildungsleistung führen."

Um der Politik, zuvorzukommen und Clement den Wind aus den Segeln zu nehmen, arbeitet der ZDH jetzt an einem eigenen Konzept zur Reform der Hand­werksordnung. Zu den genauen Inhalten will sich der Verband noch nicht äußern; Philipp sagte lediglich, Ziel sei es, die Beru­fe „dynamisch und flexibel den Herausfor­derungen der Zeit anzupassen".

Die Kritiker des Meisterzwangs erwar­ten von diesen Vorschlägen indes nicht viel - allenfalls kleinere Erleichterungen auf dem Weg zum Meister, meint Thomas Melles vom Bund Unabhängiger Handwerker (BUH), der sich für die Abschaffung des Meisterzwangs einsetzt. In den großen Volksparteien wagt indes derzeit noch nie­mand den offenen Konflikt mit dem mächti­gen Handwerkerverband. „Die Handwerks­ordnung ist eine Verkrustung, die bis ins Mittelalter zurückgeht", kommentiert Jür­gen Basedow, Mitglied der Monopolkom­mission, „und die Handwerker haben es zu allen Zeiten verstanden, sich Gehör zu ver­schaffen." Auch jetzt scheint sich der ZDH sicher zu sein, die Regierung im Griff und

auf seiner Seite zu haben. „Clement weiß sehr genau, was er an der Handwerksord­nung hat", heißt es beim Handwerksver­band.

Clement dürfte aber auch wissen, daß die Handwerksordnung den Erfolg der jüngsten Arbeitsmarktreformen gefährden könnte. Denn viele Arbeitslose, die sich nach dem Hartz-Konzept mit staatlicher Förderung als „Ich-AGs" selbständig ma­chen könnten, dürften dabei gerade hand­werkliche Tätigkeiten im Auge haben - in der Regel aber ohne Meisterbrief.

·         „Die Ich-AG wird nur etwas bringen, wenn man diese Leute komplett vom Meisterzwang freistellt",

sagt der Wirtschaftsjurist Horst Mirbach. Wenn aber diese Bresche erst ein­mal geschlagen sei, könnte der Meister­zwang wackeln, meint er. Die Freistellung der Ich-AGs vom Meisterzwang war ur­sprünglich geplant gewesen, im Vermitt­lungsausschuß aber fallengelassen worden. Der hartnäckige Widerstand der Politik gegen eine Liberalisierung der Handwerks­ordnung steht in krassem Gegensatz zu den Ratschlägen der Fachleute. Denn es gibt längst einen breiten Konsens unter Ökono­men, daß die deutsche Handwerksordnung ein Beschäftigungshindernis darstellt und viele Handwerker in die Schwarzarbeit treibt, weil sie ihnen den Weg in die Selb­ständigkeit erschwert.

In einem Sondergut­achten aus dem Jahr 2000 schreibt die Mo­nopolkommission, die Handwerksordnung gehöre „zu den Regulierungen, die die Schaffung neuer Arbeitsplätze behindern". Basedow hält es für realistisch, daß durch eine entschlossene Liberalisierung mehrere 100 000 Stellen geschaffen werden könnten. Kern des 1953 vom Bundestag verab­schiedeten Gesetzes ist die Bestimmung, daß im Handwerk nur Betriebe führen und Lehrlinge ausbilden darf, wer die Prüfung zum Meister bestanden hat. Daß der Mei­sterzwang viele Handwerker davon abhält, sich selbständig zu machen, liegt vor allem am hohen Aufwand an Zeit und Geld, den die Vorbereitung auf die Meisterprüfung er­fordert. Nach Angaben des BUH betragen die durchschnittlichen Gebühren für einen Vorbereitungskurs auf die Meisterprüfung 7500 Euro. Hinzu kommt, daß die angehen­den Meister die Schulungen häufig nicht mit ihrer Berufstätigkeit vereinbaren kön­nen und daher einen Verdienstausfall in Kauf nehmen müssen; die Vorbereitungs­zeit beträgt in der Regel entweder drei Jah­re in der Abendschule oder ein Jahr Vollzeit. Außerdem wird häufig beklagt, daß die Zahl der Ausbildungsplätze begrenzt ist und die Anwärter nicht selten jahrelange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Das hängt nach Ansicht der Kritiker da­mit zusammen, daß die Prüfungen von den Handwerkskammern abgenommen wer­den, daß also die Handwerksmeister, die schon im Markt sind, letztlich selbst dar­über bestimmen, wer ihnen künftig Konkur­renz machen darf. „Das Verfahren liegt in der Hand der Insider", sagt Basedow. Die Gefahr des Mißbrauchs hege daher auf der Hand. Sie sei aber, räumt er ein, „von au­ßen schwer zu beurteilen" (FAZ 10.2.2003).

 

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Stand: 18.03.11